Erziehungskonzept der Erich Kästner-Schule Bad Salzuflen
Erziehungskonzept der Erich Kästner-Schule
1. Einleitung
Bedeutung von Erziehung in der EKS: In unserer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen stehen Bildung und Erziehung im Mittelpunkt. Erziehung umfasst die zwischenmenschlichen Beziehungen und das soziale Miteinander und ist ebenso wichtig wie fachliches Wissen. Gerade in einer Schule, in der Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten betreut werden, schafft ein gutes Erziehungsklima die Grundlage dafür, dass alle in Ruhe lernen und lehren können. Ein wertschätzendes, strukturiertes Umfeld fördert das Wohlbefinden der Schüler*innen und unterstützt ihre persönliche Entwicklung.
Wir als Kollegium der EKS haben uns auf fünf Grundwerte geeinigt, die auch diesem Konzept zugrunde liegen und im Schulalltag gelebt werden. Diese sind Gerechtigkeit, Zuverlässigkeit, Respekt, Wertschätzung und Ehrlichkeit.
Herausforderungen und besondere Bedürfnisse der Schüler*innen: Unsere Schüler*innen haben oft unterschiedliche Lernvoraussetzungen und benötigen besondere Unterstützung. Viele haben bereits Misserfolge erlebt, was zu Frustration oder unsicherem Verhalten führen kann. Missverständnisse und Kommunikationsschwierigkeiten treten im Schulalltag häufig auf und können schnell zu Konflikten führen. Diese Kinder und Jugendlichen brauchen klare Strukturen, viel Geduld und individuelle Förderung. Besonders wichtig sind emotionale Sicherheit und Verständnis: Sie müssen lernen, mit Enttäuschungen umzugehen, ihr Selbstvertrauen aufzubauen und sozial angemessen zu handeln.
Zielsetzung des Erziehungskonzepts: Ziel des Konzepts ist es, ein sicheres und respektvolles Schulklima zu schaffen, in dem sich alle Mitglieder der Schulgemeinschaft wohlfühlen und erfolgreich arbeiten können. Das Konzept soll dazu beitragen, große Konflikte zu vermeiden und kleine Konflikte konstruktiv zu lösen. Wir nutzen P.A.R.T. (Professional Assault Response Training) als zentrales Element, um präventive Deeskalation und professionelle Intervention bei herausforderndem Verhalten sicherzustellen. Kurz gesagt: Alle Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern sollen sich ihrer Verantwortung für ein friedliches Miteinander bewusst sein. Durch klare Absprachen sowie gezielte Maßnahmen wird ein positives Schulklima gefördert.
2. Präventive Deeskalation und P.A.R.T.
Grundlagen von P.A.R.T. und deren Bedeutung für den Schulalltag: Professional Assault Response Training (PART) ist ein international erprobtes Deeskalationskonzept, das Fachkräften hilft, frühzeitig auf mögliche Konflikte und aggressive Verhaltensweisen zu reagieren. PART legt den Schwerpunkt auf Selbstkontrolle, auf die Fähigkeit, Risiken richtig einzuschätzen, und auf angemessene, stufenweise Interventionen. Im Schulalltag bedeutet dies: Lehrer*innen bleiben in herausfordernden Situationen ruhig und handlungsfähig, um Eskalationen gar nicht erst entstehen zu lassen. Oberstes Prinzip des PART-Ansatzes ist es, die Würde aller Beteiligten zu respektieren und Sicherheit für alle herzustellen. Schmerz zufügende Techniken oder autoritäres Schreien haben hier keinen Platz - stattdessen setzt PART auf respektvolle Kommunikation, klare Strukturen und notfalls auf sanfte körperliche Interventionen ohne Schmerz, sollte Selbst- oder Fremdgefährdung drohen. Für die EKS bedeutet PART konkret, dass das Kollegium professionell geschult ist, um auch bei starken Wutausbrüchen oder Regelverstößen deeskalierend einzugreifen und den Unterricht möglichst ungestört fortzuführen. Als Teil dieser Deeskalationsstrategie nutzen wir die Verhaltensampel und ein Partnerklassenkonzept.
Fünf Säulen der Deeskalation:
- Beziehungsebene aufbauen: Eine gute Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*in wirkt vorbeugend gegen Eskalationen. PART betont hier, dass Lehrkräfte von Anfang an Vertrauen schaffen - z.B. durch freundliche Begrüßung, Ansprache mit Namen und echtes Interesse am Schüler. Im Schulalltag bedeutet das, dass die Lehrperson regelmäßig positive Gespräche sucht, auf Augenhöhe kommuniziert und gegebenenfalls durch eine beruhigende, akzeptierte Berührung oder Gesten signalisiert: "Ich bin auf deiner Seite." Diese Beziehungsebene nach PART-Prinzip stärkt die emotionale Sicherheit der Schüler*innen und erleichtert es ihnen, in schwierigen Momenten kooperativ zu bleiben.
- Wertschätzung praktizieren: Schüler*innen fühlen sich eher deeskaliert, wenn sie als Person wertgeschätzt werden, auch wenn ihr aktuelles Verhalten korrigiert werden muss. In Kombination mit PART bedeutet dies: Die Lehrkraft trennt klar zwischen Person und Verhalten. Sie lobt positive Ansätze ("Du hast dich vorhin beim Lösen der Aufgaben sehr bemüht") und kritisiert respektvoll nur das problematische Verhalten, ohne zu verletzen. Eine typische PART-Strategie ist es, Absichtslosigkeit zu unterstellen - also z.B. anzunehmen, der Regelverstoß war kein böser Wille - und den Schüler mit einer Bitte statt mit Befehlen anzusprechen. Durch solche wertschätzenden Formulierungen behalten Schüler*innen eher ihr Gesicht und sind bereit, ihr Verhalten anzupassen.
- Gegnerschaft vermeiden: In Konflikten darf kein "Wir gegen Euch"-Gefühl entstehen. Gegnerschaft führt zu Abwehr und Verhärtung. Daher achtet die Lehrkraft bewusst auf eine nicht-konfrontative und respektvolle Haltung. Konkret heißt das: Die Lehrkraft hält körperlichen Abstand, spricht ruhig und neutral, und nutzt auch einmal Humor oder ein deeskalierendes Lächeln, um Spannungen zu lösen. Anstatt Machtkämpfe einzugehen, betont sie Gemeinsamkeiten ("Wir beide wollen, dass hier Ruhe einkehrt") und lässt dem Lernenden Raum, sich ohne Gesichtsverlust zurückzuziehen. Diese Haltung - kein Gegner zu sein, sondern Partner in der Lösung - ist ein zentraler PART-Grundsatz und hilft, aggressive Stimmungen gar nicht erst hochkochen zu lassen.
- Öffentlichkeit reduzieren: Kritik oder Konfliktgespräche vor der ganzen Gruppe führen oft zu Trotz oder Scham bei den Betroffenen. Deshalb gilt: je diskreter eine Intervention, desto geringer der Gesichtsverlust für den/die Schüler*in. PART schult Lehrkräfte darin, Konflikte unter vier Augen anzugehen, um die Situation zu entspannen. Im Schulalltag heißt das z.B.: Die Lehrkraft geht leise zum betroffenen Schüler und spricht in gedämpftem Ton, anstatt über Distanz laut zu rügen. Oder sie bittet die Schülerin vor die Tür oder an einen ruhigen Ort, um ungestört zu reden. Auch nonverbale, vorher mit der Klasse vereinbarte Signale (etwa eine Geste für "Beruhige dich bitte" oder abgesprochene Auszeiten) können eingesetzt werden. So wird der Regelverstoß angesprochen, ohne dass das Kind vor allen bloßgestellt wird.
- Führungsstatus absenken: Lehrkräfte haben natürlicherweise eine Autoritäts-position, aber ein zu strenger Auftritt kann Konflikte verschärfen. Daher entscheiden wir in jeder Situation neu, wie steil oder flach die Hierarchie sein sollte. PART unterstützt diese Flexibilität, indem es lehrt, die eigene Selbstkontrolle zu bewahren und nicht automatisch mit Strenge zu reagieren. Im Klartext: In vielen Situationen begegnet die Lehrkraft Kindern und Jugendlichen eher auf Augenhöhe, bittet um Mithilfe oder zeigt Verständnis, statt Befehle zu erteilen. Nur wenn es um die Sicherheit geht - z.B. wenn Mitschüler*innen bedroht oder grob beleidigt werden - nimmt die Lehrkraft bewusst einen höheren Führungsstatus ein, spricht in klar bestimmtem Ton und setzt Grenzen. Auch dann bleibt sie aber fair und erklärt den Sinn der Regeln, anstatt willkürlich Macht zu demonstrieren.
Durch die Vereinbarung auf die fünf Säulen mit PART schaffen wir ein konsistentes Vorgehen: Alle Lehrkräfte nutzen eine gemeinsame Sprache und Haltung in Konfliktsituationen. Schüler*innen erleben so Verlässlichkeit - unabhängig davon, bei welcher Lehrperson sie sind, stoßen sie auf Ruhe, Respekt und klare, aber flexible Grenzen.
Praktische Beispiele für die Umsetzung: Theorie und Praxis greifen in unserem Erziehungskonzept ineinander. Hier einige typische Situationen und wie präventive Deeskalation mit PART angewandt wird:
- Beispiel 1 - Unruhe im Klassenzimmer: Ein Schüler mit Schwierigkeiten bei der Aufgabenbearbeitung wird frustriert und knallt im Ärger sein Heft auf den Boden. Die Lehrerin reagiert präventiv deeskalierend: Sie wahrt zunächst Ruhe und behält Selbstkontrolle (PART-Grundsatz). Ohne den Schüler bloßzustellen (Öffentlichkeit reduzieren), geht sie zu ihm und spricht leise: "Ich merke, du bist gerade wütend. Lass uns kurz zusammen durchatmen." (Beziehungsebene und Wertschätzung zeigen). Sie duckt sich etwas, um nicht von oben herab zu wirken (Führungsstatus absenken). Der Schüler spürt, dass die Lehrerin kein Gegner ist, sondern helfen will. Durch diese PART-gestützte Vorgehensweise beruhigt er sich eher, hebt schließlich das Heft wieder auf - die Situation entschärft sich, ohne dass es zum offenen Konflikt kam.
- Beispiel 2 - Konflikt zwischen Schülern: Zwei Schüler geraten in der Pause in einen Streit und schubsen sich. Ein Lehrer greift ein. Zunächst sorgt er für Sicherheit, indem er mit ruhiger, aber bestimmter Stimme beide anspricht und auf Abstand zueinander bittet. Er vermeidet laute Kommandos oder Strafen vor allen anderen (diskrete Intervention). Stattdessen bringt er beide Kontrahenten an einen ruhigen Ort abseits der Menge (Öffentlichkeit reduzieren). Dort vermittelt er als neutraler Moderator (Gerechtigkeit) - betont Gemeinsamkeiten ("Ihr beide wollt doch eigentlich eine gute Pause haben") und lässt jeden kurz ausreden (Wertschätzung ihrer Sichtweisen). Durch gezieltes Nachfragen und Zuhören zeigt er Beziehung und Interesse an ihren Gefühlen. Er hilft den Schülern, selbst eine Lösung zu finden (z.B. Regeln für das Spiel neu absprechen). Dank seiner PART-Techniken bleibt er während des ganzen Gesprächs ruhig und respektvoll, was sich auf die Schüler überträgt. Am Ende schließen beide einen Kompromiss, entschuldigen sich und können beruhigt in die Pause zurückkehren - eine mögliche Eskalation wurde erfolgreich verhindert.
Diese Beispiele zeigen, wie präventive Deeskalation mit Hilfe der PART-Methoden im Schulalltag umgesetzt wird. Wichtig ist die Einheitlichkeit: Alle Mitarbeitenden der Schule kennen diese Strategien und unterstützen sich gegenseitig dabei, sie konsequent anzuwenden. So entsteht eine Schulkultur, in der respektvoller Umgang und professionelle Konflikt-bewältigung zur Normalität werden.
3. Förderung sozialer Kompetenzen und Gewaltprävention
Verstärkersysteme für positives Verhalten: Ein zentrales Element unseres Erziehungskonzepts ist die positive Verstärkung. Kinder und Jugendliche mit reagieren besonders gut auf klare Rückmeldungen und Belohnungen, wenn sie Regeln einhalten oder sich anstrengen. Deshalb arbeiten wir mit Verstärkersystemen, die gewünschtes Verhalten gezielt loben und belohnen. Zum Beispiel nutzt jede Klasse die Verhaltensampel: Schüler*innen sammeln Rückmeldungen für ihr Verhalten (wie konzentriertes Arbeiten, Hilfsbereitschaft oder friedliche Konfliktlösung). In den Klassen wird individuell geregelt, welche positiven Konsequenzen es für die Schüler*innen gibt, wenn sie öfter die Spitze der Ampel erreichen. Die Schülerinnen wissen genau, wofür sie die positive Rückmeldung bekommen und erleben Erfolge unmittelbar. Dadurch wird ihr Selbstwertgefühl gestärkt und sie lernen, dass sich angemessenes Verhalten lohnt. Gleichzeitig achten wir darauf, dass Lob immer spezifisch und ehrlich ist ("Du hast heute ruhig und konzentriert gearbeitet, das ist großartig!"), damit es glaubwürdig bleibt. Neben materiellen Verstärkern setzen wir vor allem auf soziale Verstärker: mündliches Lob, Applaus in der Gruppe oder besondere Verantwortung (z.B. Klassendienst) wirken oft nachhaltiger als materielle Belohnungen. Insgesamt helfen Verstärkersysteme dabei, eine positive Lernatmosphäre aufzubauen, in der gute Taten bemerkt und honoriert werden.
Maßnahmen bei Regelverstößen: Trotz aller Prävention wird es im Schulalltag zu Regelverstößen kommen. Unser Konzept legt fest, wie wir dann reagieren - konsequent, aber verständnisvoll und individuell angepasst. Zunächst gilt: Jede Konsequenz soll pädagogisch sinnvoll sein, also die Menschen etwas lernen lassen und nicht bloß bestrafen. Wir verfolgen einen stufenweisen Ansatz:
- Ruhige, direkte Ansprache: Bei kleinen Verstößen (z.B. Aufgabenverweigerung, Reden im Unterricht) erinnert die Lehrkraft den/die Schüler*in ruhig an die Regeln. Dabei nutzt sie die oben genannten Deeskalationstechniken (freundlicher Ton, kurze klare Worte). Oft reicht diese Ermahnung schon, besonders wenn gleichzeitig eine positive Alternative aufgezeigt wird ("Mach jetzt noch die Aufgabe fertig, dann kannst du dich kurz ausruhen."). Die Verhaltensampel zeigt nun die Regelerinnerung an.
- Zeit zum Beruhigen - Cool Down: Wenn ein*e Schüler*in sehr aufgebracht ist oder weiter gegen Regeln verstößt, geben wir ihm/ihr die Möglichkeit, kurz durchzuatmen. Das kann eine Auszeit vor der Tür sein oder eine Runde um-den-Hof-Laufen. Die Verhaltensampel zeigt jetzt auf Letzte Chance. Bringt die Unterbrechung keine Verhaltensänderung, greift das Partnerklassensystem und die Person verbringt den Rest der Unterrichtsstunde in der Partnerklasse, wo sie ihr Verhalten reflektiert.
- Klärendes Gespräch und Wiedergutmachung: Ist die Situation abgekühlt, folgt ein Gespräch zwischen Lehrkraft und Schüler*in. Hierbei wird das Verhalten reflektiert: Was ist passiert? Warum war das nicht in Ordnung? Wichtig ist die PART-Haltung - also ruhig zuhören, die Schülerin oder den Schüler ihre Sicht schildern lassen (Wertschätzung), dann gemeinsam überlegen, wie man es künftig besser macht. Gegebenenfalls wird eine Wiedergutmachung vereinbart: zum Beispiel Entschuldigung bei einer betroffenen Person, das Aufräumen eines verursachten Chaos oder eine kleine Extra-Aufgabe, die zeigt, dass der/die Schüler*in Verantwor-tung übernimmt, anstatt nur eine Strafe abzusitzen. Diese Maßnahmen passen wir an das individuelle Verständnis und die Fähigkeiten der Person an.
- Einbeziehung der Eltern und weitere Schritte: Bei wiederholten oder schweren Regelverstößen ziehen wir die Erziehungsberechtigten hinzu. In einem gemeinsamen Gespräch (ggf. mit Schulsozialarbeiterin oder Schulleitung) suchen wir nach Ursachen und Lösungen. Zusätzlich können individuelle Förderpläne erstellt werden, die besondere Maßnahmen vorsehen (z.B. regelmäßige Gespräche, Verstärkerpläne für zu Hause, Beratung durch die Schulsozialarbeiterin). In sehr schwierigen Fällen, in denen Gefahr für den/die Schüler*in selbst oder andere besteht, greifen abgestimmte Krisenpläne: Das Team - durch PART geschult - weiß, wie es deeskalierende Schutztechniken anwendet (z.B. das Kind aus der Situation führen, ohne Gewalt) und ggf. externe Hilfe (Schulpsychologe, Therapeuten) einbezieht.
Alle Maßnahmen sind darauf abgestimmt, den besonderen Bedürfnissen unserer Schüler*innen gerecht zu werden. Kinder mit Unterstützungsbedarf im Bereich Lernen brauchen oft mehr Wiederholungen und klare Strukturen - daher erklären wir Regeln und Konsequenzen immer wieder geduldig und visualisieren sie z.B. mit Piktogrammen im Klassenraum. Konsequenzen erfolgen zeitnah, damit der Zusammenhang für die Kinder und Jugendlichen verständlich bleibt. Durch diesen einheitlichen und verständnisvollen Umgang mit Regelverstößen lernen die Schüler*innen nach und nach, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen und Alternativen zur Aggression zu entwickeln. Gleichzeitig wissen sie: Fehler führen nicht automatisch zu harten Strafen, sondern sind Anlass, etwas zu lernen und es wieder gut zu machen - das motiviert zur Verhaltensänderung.
Integration von P.A.R.T.-Ansätzen zur Konfliktlösung: Unser Konzept der Gewaltprävention wird durch die Prinzipien von PART optimal ergänzt. In Konfliktsituationen - sei es zwischen Schüler und Lehrer oder unter Schülern - setzen wir vorrangig auf Deeskalation durch Kommunikation. Lehrkräfte, die in PART geschult sind, verfügen über spezielle Techniken der Krisenkommunikation: zum Beispiel die Fähigkeit, klar und ruhig Anweisungen zu geben, Ich-Botschaften zu nutzen ("Ich möchte, dass du jetzt zuhörst" statt "Du benimmst dich falsch!"), und gezielt deeskalierende Schlüsselwörter oder Gesten einzusetzen. Ein wichtiger PART-Ansatz ist zudem das Teamwork in herausfordernden Situationen: Lehrkräfte unterstützen sich gegenseitig, indem z.B. eine Kollegein hinzugezogen wird, wenn ein Konflikt droht zu eskalieren. Zwei geschulte Erwachsene können einen aufgebrachten Jugendlichen meist besser beruhigen (eine Person übernimmt das Reden, die andere sichert die Umgebung und signalisiert Unterstützung).
Auch die Körpersprache spielt eine Rolle: Dank PART wissen die Lehrkräfte, wie sie durch offene, nicht bedrohliche Haltung und angemessenen Abstand die Lage entspannen können. Körperliche Intervention (wie das sanfte Wegführen eines Schülers, der um sich schlägt) wird nur als letztes Mittel und nach PART-Richtlinien angewandt - das heißt ohne Schmerzen zu verursachen und immer zu zweit, um Sicherheit für alle zu gewährleisten.
In der Praxis bedeutet dies zum Beispiel: Wenn ein Schüler einen Wutanfall hat und um sich schlägt, greifen zwei Pädagog*innen ein. Eine*r spricht beruhigend auf ihn ein ("Wir sind hier, um dir zu helfen. Beruhige dich, wir lösen das zusammen"), während der/die andere sich bereit hält, den Schüler bei Gefahr langsam aus dem Klassenraum zu begleiten. Beide achten darauf, ihn nicht festzuhalten, solange keine akute Gefahr besteht - und wenn doch, nutzen sie die in PART gelernten Halte-Techniken, die speziell darauf ausgelegt sind, den Schüler zu schützen und nicht zu verletzen. Nach Abklingen der Krise wird das Ereignis mit dem Schüler aufgearbeitet (wie oben beschrieben, in einem Klärungsgespräch) und auch im Team reflektiert ("Debriefing"), um aus jedem Vorfall zu lernen.
Durch diese Integration von PART in die Konfliktlösung stellen wir sicher, dass Gewaltprävention nicht nur ein theoretischer Begriff bleibt, sondern handlungsleitend für alle ist. Unsere Schüler*innen erfahren, dass Konflikte in der Schule friedlich und fair gelöst werden. Langfristig entwickeln sie dadurch selbst wichtige soziale Kompetenzen: Sie lernen z.B., in der Wut eine Pause zu machen, Worte statt Fäuste zu benutzen und bei Bedarf Hilfe von Erwachsenen anzunehmen, anstatt die Situation anzuheizen. Dieses Kompetenztraining befähigt sie, auch außerhalb der Schule besser mit Konflikten umzugehen.
4. Selbstverp?ichtung und Vereinbarung zwischen Schüler*innen, Erziehungsberechtigten und Lehrer*innen
An der EKS schließen wir eine Selbstverpflichtungs-Vereinbarung mit Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften ab. Darin erklären alle Beteiligten, aktiv an einem sicheren, respektvollen Schulklima mitzuwirken. Konkret bedeutet das: Wir halten schriftlich fest, dass Würde und Sicherheit oberste Priorität haben. Alle versprechen, Konflikte möglichst gewaltfrei und deeskalierend anzugehen. Die Prinzipien "Ruhe bewahren, respektvoll bleiben und Hilfe holen" werden als gemeinsamer Standard definiert. Zum Beispiel kann in der Vereinbarung stehen: "Wir gehen fair miteinander um und suchen bei Streit nach einer friedlichen Lösung - nötigenfalls mit Hilfe einer Lehrkraft." Auch ein Satz wie "Wir achten auf die Sicherheit jeder Person und lehnen Gewalt ab" unterstreicht die PART-Haltung. Die Schüler*innen unterschreiben gemeinsam mit ihren Eltern und der Klassenlehrkraft diese Vereinbarung zu Beginn der Schulzeit. Dadurch entsteht ein Bewusstsein: Jede*r in der Schulgemeinschaft hat Verantwortung, und wir haben uns alle gegenseitig ein Versprechen für gutes Verhalten gegeben.
Verantwortung der einzelnen Beteiligten für ein sicheres und respektvolles Schulklima:
Damit das Erziehungskonzept im Alltag gelebt wird, müssen alle an einem Strang ziehen. In
der Vereinbarung sind daher die Erwartungen an jede Gruppe klar formuliert - hier in Kürze
zusammengefasst:
- Schüler*innen: Ich verhalte mich rücksichtsvoll und halte mich an die abgesprochenen Regeln. Konkret heißt das, die Schüler*innen versprechen, im Unterricht mitzuarbeiten, pünktlich und vorbereitet zu sein und Konflikte ohne Gewalt auszutragen. Sie wissen, dass sie bei Problemen Hilfe holen dürfen. Durch ihre Unterschrift bekennen sie sich dazu, Respekt gegenüber Mitschüler*innen und Lehrkräften zu zeigen - dazu gehört etwa, höflich zu sprechen, niemanden auszulachen und Eigentum anderer nicht zu beschädigen. Wenn sie gegen Regeln verstoßen, akzeptieren sie, dass es Konsequenzen gibt, und bemühen sich, an Lösungen mitzuarbeiten.
- Erziehungsberechtigte/Eltern: Wir unterstützen die Schule darin, ein positives Klima
aufrechtzuerhalten. Eltern verpflichten sich, mit der Schule zusammenzu-arbeiten und
das Erziehungskonzept mitzutragen. Das umfasst ganz praktische Dinge (für
Pünktlichkeit sorgen, bei Krankheit das Kind abmelden, für vollständiges
Unterrichtsmaterial und Hausaufgabenerledigung sorgen) ebenso wie die Haltung:
Eltern bestärken ihre Kinder darin, Regeln einzuhalten und respektvoll zu sein. Sie
stehen hinter den vereinbarten Maßnahmen bei Fehlverhalten und suchen bei
Schwierigkeiten das Gespräch mit den Lehrkräften, statt Konflikte alleine lösen zu
wollen. Zudem sind sie eingeladen, an
Elternabenden oder Info-Veranstaltungen teilzunehmen. So entsteht Vertrauen: Eltern wissen, dass die Lehrkräfte professionell und zum Wohle ihres Kindes handeln - und Lehrkräfte wissen die Eltern als Partner hinter sich. - Lehrer*innen und pädagogisches Personal: Wir schaffen eine sichere, wertschätzende Lernumgebung und handeln professionell in Konfliktsituationen. Die Lehrkräfte verpflichten sich, jede/n Schüler*in bestmöglich zu fördern und fair zu behandeln. Sie zeigen Verständnis für individuelle Bedürfnisse und begegnen den Kindern mit Respekt und Geduld. Zentral ist, dass alle Pädagog*innen das PART-Konzept verinnerlicht haben: Sie versprechen, in brenzligen Situationen ruhig zu bleiben, niemanden bloßzustellen und stets zuerst auf Deeskalation zu setzen. Das Kollegium sorgt gemeinsam dafür, dass Regeln konsequent, aber einfühlsam durchgesetzt werden, und dass das soziale Klima stimmt. Lehrkräfte halten regelmäßigen Kontakt mit den Eltern, berichten ehrlich über Fortschritte oder Probleme und suchen frühzeitig Unterstützung, wenn sie selbst nicht weiterkommen. Durch stetige Fortbildung halten sie ihre Kompetenzen auf dem neuesten Stand. Kurz: Die Erwachsenen in der Schule nehmen ihre Vorbildfunktion ernst und tragen aktiv dazu bei, dass Schule ein sicherer Ort ist, an dem gegenseitiger Respekt und gewaltfreie Konfliktlösung gelebt werden.
Abschließend wird deutlich: Ein Erziehungskonzept kann nur wirken, wenn es von allen getragen wird. Die schriftliche Selbstverpflichtung aller Beteiligten schafft Verbindlichkeit und erinnert im Alltag an die gemeinsam vereinbarten Werte. Indem wir P.A.R.T. als präventives Deeskalationsprogramm einbinden, erhält unsere Schulgemeinschaft ein professionelles Werkzeug, um auch schwierige Situationen zu meistern. So gelingt es uns, ein Schulklima zu schaffen, in dem Lernen, Lehren und Zusammenleben gleichermaßen erfolgreich sind - geprägt von Sicherheit, Wertschätzung und Miteinander.
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