Konzept zur Hundgestützten Pädagogik

 

Im Schulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen steht in § 2

 

-          „Die Schule … verwirklicht die in Artikel 7 der Landesverfassung bestimmten allgemeinen Bildungs- und Erziehungsziele … zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen …“

 

-          „ … Sie fördert die Entfaltung der Person, die Selbständigkeit ihrer Entscheidungen und Handlungen und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl, die Natur und die Umwelt …“

 

-          „ … Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen … die eigene Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeit … zu entfalten …“

 

-          „Der Unterricht soll die Lernfreude der Schülerinnen und Schüler erhalten und weiter fördern. Er soll die Schülerinnen und Schüler anregen und befähigen, Strategien und Methoden für ein lebenslanges, nachhaltiges Lernen zu entwickeln.“

 

-          „Drohendem Leistungsversagen und anderen Beeinträchtigungen von Schülerinnen und Schülern begegnet die Schule … mit vorbeugenden Maßnahmen …“

 

Dies sind nur einige Ziele, die im Schulalltag Bedeutung finden und mit Hilfe der Hundgestützten Pädagogik zumindest zum Teil verwirklicht werden könnten. Basis hierfür ist die überwiegend nonverbale Kommunikation des Hundes, die den Schülerinnen und Schülern Zutrauen, Sicherheit, Vertrauen und Selbstwertstabilisierung vermittelt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bestimmte Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Persönlichkeitseigenschaften, wie beispielsweise ein hoher Stellenwert, soziale Kontakte und gute Kommunikationsfähigkeiten, einen gesundheitsfördernden Einfluss ausüben. Diese gesundheitsfördernden Faktoren können nachweislich durch Tiere positiv beeinflusst werden.

 

Physische / physiologische Wirkungen

Untersuchungen belegen, dass nur die Anwesenheit eines Hundes im Raum bereits entspannend wirkt. Stress und Ängste werden reduziert. Herzfrequenz und Blutdruck werden gesenkt und biochemische Veränderungen finden statt. Z.B. wird das Hormon Oxytozin ausgeschüttet, das ein Wohlgefühl und Handlungsbereitschaft erzeugt.

 

Psychische / psychologische Wirkungen

Die Anwesenheit von Hunden im Klassenraum kann bewirken:

-          eine Stabilisierung der Befindlichkeit;

-          eine Förderung von positivem Selbstbild, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein;

-          eine Förderung von Umwelt- und Selbstkontrolle;

-          eine Förderung von Sicherheit, Selbstsicherheit;

-          Abbau von Angst;

-          Stressreduktion;

-          Beruhigung und Entspannung;

-          soziale Integration;

-          ….

 

Sozio-emotionale Wirkungen

Positive soziale Wirkungen im Bereich der Hundgestützten Pädagogik sind unbestritten.

Hunde können

-          als „Eisbrecher“ in der Kontaktaufnahme zu Schülerinnen und Schülern wirken;

-          den Schülerinnen und Schülern Sicherheit geben;

-          als Kommunikationspartner dienen;

-          bewirken, dass das Verhalten in der Klasse einheitlicher wird und die Extreme abgeschwächt werden;

-          das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Klasse stärken;

-          als Mittler zwischenmenschlicher Kontakte fungieren;

-          bewirken, dass Schülerinnen und Schüler Verantwortung zu übernehmen lernen;

-          ….

 

Die Hundgestützte Pädagogik im Klassenraum

 

Durch den Einsatz eines Klassenhundes wird eine besondere Atmosphäre geschaffen und für mehr Entspannung gesorgt, so dass in der Regel ein effektives Lernen möglich ist. Die freie Interaktion, also das freie Agieren (unter Beachtung bestimmter Regeln zwischen den Schülerinnen und Schülern und dem Hund) verbessert den sozialen Zusammenhalt der Klasse und die Aufmerksamkeit in Richtung Lehrer / Lehrerin. Lautes, auffälliges und aggressives Verhalten wird gedämpft. Hierbei können aber keine „Wunder“ erwartet werden, da vom Lehrer/von der Lehrerin besonders bei einem schwierigeren Schülerklientel vielfältige Wirkmechanismen berücksichtigt werden müssen.

Liebe und taktile Kontakte ohne Vorbehalt, ohne situationsabhängige Schwankungen und Bewertungen zu geben, sowie das ständig andauernde „kindlich unschuldige“ Vertrauen, das der Hund den Schülerinnen und Schülern entgegenbringt, veranlasst dann umgekehrt auch die Schülerinnen und Schüler dazu, dem Tier zu vertrauen und sich für das Tier verantwortlich zu fühlen.

 

Vor dem Einsatz eines Hundes im Klassenraum muss der Lehrer/die Lehrerin klare Regeln mit den Schülerinnen und Schülern erarbeiten, den Hund langsam an die Schule/Klasse heranführen und die Prozesse in der Klasse genau beobachten, damit die Teilnahme am Unterricht nicht zu Lasten einzelner Schülerinnen und Schüler bzw. zu Lasten des Hundes geht. Nicht alle Schüler sehen den Einsatz eines Hundes in der Klasse sofort positiv. Ängstliche Schülerinnen und Schüler, die keine Beziehung zu Hunden haben oder schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht haben, müssen langsam an das Tier gewöhnt werden. In der Regel lernen sie ihre Angst durch die Vorbildfunktion nicht angstbesetzter Mitschülerinnen und Mitschüler zu kontrollieren oder sogar zu überwinden.

Häufig entwickelt sich durch die Begleitung eines Hundes schnell eine entspannte, lockere Atmosphäre auch zu Schülern, die nicht in der „Hundeklasse“ sind. Im Fach- und Vertretungsunterricht, bei Pauseneinsätzen und bei Besuchen in Klassen, die zum Thema „Hund“ arbeiten kommt es immer wieder zu interessanten Gesprächen über persönliche Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, die die Beziehung SchülerIn – LehrerIn positiv beeinflussen und somit auch das Lernklima.

 

Die Hundgestützte Pädagogik kann auch für die Förderung und Unterstützung einzelner Schüler oder Kleingruppen eingesetzt werden. Der Lehrer /Die Lehrerin kann den Schülerinnen und Schülern verschiedene Aufträge oder Aufgaben im Zusammenhang mit dem Hund übertragen und sie so durch das in sie gesetzte Vertrauen stärken (Wasserversorgung, Bürsten, Füttern u.a.).

Ein weiterer Einsatz des Hundes in der Einzelförderung  kann die Funktion eines „Zuhörers“ bei Leseanfängern oder bei unsicheren Lesern und Leserinnen sein. Nicht nur die Lesefähigkeit wird deutlich verbessert, sondern die Kinder zeigen deutlich mehr Selbstbewusstsein, bringen sich mehr ein und sind beim Lesen zunehmend entspannt.

 

Durch die häufige Anwesenheit des Hundes in der Klasse und seine direkte Motivation kann mit den Schülerinnen und Schülern anschaulich Wissen zum Thema Hund und zum Tierschutz erarbeitet werden.

 

 

Die Hundgestützte Pädagogik in der Erich Kästner-Schule

 

Seit dem Schuljahr 2011/12 wird „Laika“, eine schokobraune Labradorhündin (geb, am 28.02.2011) zunächst als Klassenhund der Klasse 8/9 eingesetzt. Die Schüler und Schülerinnen kennen Laika bereits als Welpe, sodass sie die Entwicklung der Hündin mitverfolgen konnten. Laika ist sehr beliebt im Klassenverband. Sie wird gestreichelt, umsorgt, man bringt ihr Kunststückchen bei, geht mit ihr spazieren, füttert sie usw. Während des Unterrichts liegt sie auf ihrer Matte oder geht in der Klasse umher, lässt sich streicheln oder legt sich zu einem Schüler. Schüler und Schülerinnen, die zunächst etwas zurückhaltend waren, verloren schnell ihre Scheu, da Laika eine sehr liebe Hündin ist, die nicht schreckhaft und nicht lärmempfindlich ist. Die Schüler und Schülerinnen nehmen aber Rücksicht auf sie, weil sie gelernt haben, dass Hunde viel besser hören als Menschen.

Natürlich ist Laika auch bei den übrigen Schülern und Schülerinnen der Schule sehr beliebt. Insbesondere die Unterstufenschüler erwarten sie ungeduldig. Dort wird sie auch bei Bedarf im Fach- und Vertretungsunterricht und in den Hofpausen eingesetzt.

 

Im Schuljahr 2013/14 besucht Laika ein- bis zweimal pro Woche die Klasse 7/8 als Klassenhund. Ein Schüler, der Hunden gegenüber sehr ängstlich ist, hat seine Angst gegenüber Laika nach vielen Monaten überwinden können. Er nimmt Laika jetzt sogar in den Arm und füttert sie mit Leckerlis. Das gleiche gilt für Schüler und Schülerinnen aus anderen Klassenverbänden: Nach vielen unterschiedlichen Begegnungen mit Laika haben sie ihre Scheu abgelegt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Hund in der Klasse eine Bereicherung für den gesamten Schulalltag der Schüler und Schülerinnen darstellt.