Konzept zum Gender Mainstreaming

 

Das Schulgesetz macht die Förderung der Chancengleichheit der Geschlechter und die Beseitigung von Nachteilen ausdrücklich zu einer Aufgabe der Schulen. Für Unterricht und Schulleben bedeutet dies eine geschlechtersensible Ausrichtung der gemeinsamen Erziehung von Jungen und Mädchen.

Nahezu charakteristisch für unsere Schülerinnen ist ihr geringes Selbstwertgefühl. Sie rutschen häufig automatisch bedingt durch ihren kulturellen Hintergrund und ihre familiäre Sozialisation, in eine Opferrolle hinein, auch im Sinne von frühzeitig sexualisierter Gewalt. Auf Belästigungen durch Jungen reagieren die Mädchen oft recht hilflos und lassen sich schnell ihre Rolle zuweisen. Mädchen untereinander neigen zu einem ausgeklügelten Hierarchie- und Konkurrenzverhalten, welches zu Gruppenbildungen führt. Einzelkonflikte werden nicht direkt gelöst, sondern die zugehörige Gruppe grenzt andere aus, attackiert vor allem verbal Einzelne, die bei anderen schlecht gemacht. und angeschwärzt werden.

Die Jungen der entsprechenden Klassen der Erich Kästner-Schule stammen aus unterschiedlichen kulturellen und sozialen Verhältnissen. Sie leben teilweise in unvollständigen und belasteten Familienstrukturen, wo wenig Raum, Zeit und pädagogisches Vermögen vorhanden sind, um die Jungen bei der Aneignung einer selbst- und mitverantwortlichen Geschlechtsidentität zu unterstützen. Der z. T. kulturell bedingte männliche Sozialisationshintergrund bestimmt die Denk-, Gefühls- und Handlungsmuster der Jungen. Keine Schwäche zeigen, Mädchen ärgern, Räume dominieren usw. gehören häufig zu den Verhaltensmustern der Jungen. Mit coolen Sprüchen und Angriffen gegen Mädchen und Schwächere werden eigene Unsicherheiten überspielt. Der Gruppendruck verstärkt dieses Verhalten, denn wer nicht mitmacht, läuft Gefahr, ausgegrenzt oder sogar angegriffen zu werden.

Die Erich Kästner-Schule bemüht sich, diesem Erziehungsauftrag im Sinne einer geschlechterbewussten Erziehung gerecht zu werden. Dies geschieht im koedukativen Unterricht, aber auch durch gezielte Mädchen- und Jungenförderung. Hierdurch sollen die Schülerinnen und Schüler in ihrem Selbstwertgefühl und in ihrer Identitätsentwicklung gefördert werden und bestehende Geschlechterrollen bezüglich Familien- und Berufsleben kritisch reflektieren lernen.

Ein wesentliches Ziel reflexiver Koedukation ist die Chance, individuelle Unterschiede ohne Benachteiligungserfahrungen leben zu können. Es geht nicht um Angleichung der Geschlechter. Vielmehr müssen die unterschiedlichen Lernausgangslagen und Neigungen von Mädchen und Jungen einbezogen werden und auch die Kenntnis darüber, dass unterschiedliche Interessen, Sichtweisen und Lernwege von Mädchen und Jungen sich auf den Erwerb von Wissen und Kompetenzen auswirken können. Des Weiteren soll die Chancengleichheit in Form der Befähigung zu einer echten Wahlfreiheit für die Lebensplanung und – gestaltung, unabhängig von den tradierten geschlechtertypischen Strukturen und Erwartungshaltungen gefördert werden.

Der Unterricht soll den kulturellen Leistungen von Frauen den gleichen Stellenwert einräumen wie den kulturellen Leistungen von Männern und damit das überlieferte historische Verständnis unserer Gesellschaft korrigieren.

Angebahnt werden soll ein Unterricht, der nicht blind ist für die Probleme des Zusammenlebens, sondern sensibel für Schwierigkeiten und bereit zu ihrer Thematisierung und Bearbeitung. Dazu kann auch eine situativ begründete, aber inhaltlich und zeitlich begrenzte Trennung von Mädchen und Jungen gehören.

 

 

Schulorganisation:

 

 

 

 


 

Unterrichtsprinzipien:

 

 

Weitere Zielsetzungen zur Förderung der Chancengleichheit der Geschlechter: